Tetyana Dagovych

Tetyana Dagovych, M. A.

SFB 1385 Recht und Literatur

Teilprojekt B01 „Literarische Formen europäischer Rechtskultur in Polen, Russland und der Ukraine. Forschungen zu Recht und Literatur zentral- und osteuropäischer Gesellschaften in vergleichender Perspektive“; Leitung: Prof. Dr. Sproede.

Forschungsprojekt (Dissertationsprojekt):

Erzählungen im Gerichtssaal:

Literarisierte Narration in russischen Plädoyers 1864–1917

1864 fand im Russischen Reich eine umfassende Justizreform statt, in deren Rahmen das öffentliche Gerichtsverfahren sowie die Institution des Geschworenengerichts eingeführt wurden. Der Beruf des professionellen Anwalts etablierte sich und eine für den Kulturkreis neue Textsorte entstand: die Verteidigungsrede. Russische Juristen dieser Zeit konnten auf keine eigene Tradition des Plädoyers zurückgreifen, aber die starke literarische Tradition der Epoche übte einen Einfluss auf ihre Tätigkeit aus: Nicht selten trat nun in künstlerisch anspruchsvollen Verteidigungsreden die Narration an die Stelle der Argumentation. Das Forschungsprojekt untersucht an ausgewählten Verteidigungsreden aus der Zeit von 1864 bis 1917, wie die literarische Narration, womit das ästhetisierte Erzählen unter Anwendung von typisch literarischen Techniken und Verfahren gemeint ist, von Anwälten im juristischen Zweck eingesetzt wurde. Nicht zuletzt wird dabei die rhetorische Wirkung der Literarizität auf die Geschworenen diskutiert, wie auch die Anwendung unterschiedlicher erzählerischer Strategien bei verschiedenen Deliktarten und Beweislagen. Dabei ist die These von Bedeutung, dass die Akzeptanz einer Geschichte weniger auf ihre Übereinstimmung mit den tatsächlichen Ereignissen zurückzuführen ist, als auf die Art und Weise, wie sie erzählt wird. Auch die Beziehungen zwischen zeitgenössischen und späteren literarischen Texten und den im Fokus stehenden Gerichtsreden werden analysiert.

Weitere Schwerpunkte:

– Das Recht im Werk von Lesja Ukraȉnka (1871 – 1913);

– belarussische Poesie des Protests 2020 – 2021.